Templer News

Bruder Ansgar von Kircher, Ritter im Templer-Orden

Woher kommt unser alltägliches Leid?

on 4. April 2018

Fast überall, wo man hinschaut, leidet ein Mensch.
Man fragt sich doch unweigerlich, muss das sein? Gehört Leid wirklich unabdingbar zum menschlichen Leben dazu?

Jeder Mensch strebt doch grundsätzlich nach dem Glück. Ist Glück nicht eine Illusion? Streben wir alle nach einer Illusion?
Und doch gibt es Menschen, die behaupten, glücklich zu sein, und doch gibt es Momente im Leben eines jeden Menschen, wo er glücklich ist.
Sind beide Gefühlszustände Zufall?

Es stellen sich zwei entscheidende Fragen:
Wann entsteht Leid?
Wann entsteht Glück?

Leid entsteht doch, wenn wir uns gegen etwas wehren. Wir sind nicht einverstanden, dass unser Partner uns verlässt, dass unsere Kinder einen anderen Weg als den von uns gewünschten einschlagen, dass ein geliebter Mensch stirbt, dass wir arbeitslos sind, dass das Leben nicht so läuft, wie wir wollen.
Glücklich ist man, wenn man einen Partner gefunden hat, den man liebt und von dem man geliebt wird, wenn man sich als Einheit empfindet, wenn man den anderen so annimmt, wie er ist,
und, wenn man vom anderen so angenommen wird, wie man ist:
„Es ist schön, dass es dich gibt“.

Leid entsteht, wenn man sich weigert, eine Situation so anzunehmen, wie sie ist.

Der Weg aus dem Leid ins Glück.
Wie schafft man es, jede Situation so anzunehmen, wie sie ist?
Gott will nicht, dass wir unglücklich sind. Deswegen können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass er für unser Leid nicht verantwortlich ist.

Tief in unserem Inneren wissen wir, wir können nur ernten, was wir gesät haben. Auch wenn wir den Zusammenhang nicht genau angeben können, die leidvolle Situation ist die „Ernte“, das Ergebnis unseres Säens.

Wenn ich akzeptiere, dass die unangenehme, die leidvolle Situation von mir gesät wurde, dann ist es nicht sinnvoll, sich darüber aufzuregen.
Es geht stattdessen darum, das Ergebnis zu akzeptieren und darauf zu achten, dass ich ab sofort anderes, Gewünschtes säe:
„Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens“.
Das Säen geschieht über das, was ich denke: „Am Anfang war der Gedanke“. Aus dem Gedanken entwickelt sich das Wort, aus dem Wort die Tat, aus der Tat die Gewohnheit, aus der Gewohnheit der Charakter, aus dem Charakter das Schicksal.
Es geht also darum, seine Gedanken auf das zu konzentrieren, was man ernten will.
Dennoch kann ich dadurch dem Tod nicht ausweichen. In diesen Fällen geht es darum, Dinge, die nicht zu ändern sind, anzunehmen: „Nicht mein Wille geschehe, sondern der deine“.

Weitere noch offene Fragen lassen sich über die Theorie der Reinkarnation verstehen: Die Seele ist ewig und inkarniert immer wieder, bis sie zur Ganzheit geworden ist.
Ganzheit ein anderes Wort für Vollkommenheit meint, dass wir alles in uns integriert haben, alles, was uns nicht passt, alles, was wir verändern wollen.
Ganzheit meint, es gibt nichts mehr Fremdes, Angstmachendes, meine Liebe umfasst alles ohne Ausnahme bedingungslos.

Das ist ein Lernprozess. Lernen kann ich nur an Aufgaben. Wenn ich alles Unangenehme als Lernaufgabe zur Ganzheit ansehe, leide ich nicht mehr: „Lernen oder leiden“, heißt die Devise.

Allein unser EGO hindert uns am glücklich sein: „Ich bin damit nicht einverstanden, du Idiot, ich weiß es schließlich besser, ich muss das verändern, ich lasse das nicht zu usw.“
Erst wenn an Stelle des EGO das SELBST tritt, dann ist man mit allem ein-verstanden.

Das SELBST ist der Gott in dir, der alles schafft, der die Basis deines SELBSTbewusstseins ist: „Ich bin Gott“.
Leid zu vermeiden, bedeutet daher, jemandem die Lernaufgabe wegzunehmen und ihm damit eine Entwicklungsmöglichkeit zu nehmen.

Leid muss man deswegen aushalten: „Wenn du alles willst, was geschieht, geschieht alles, was du willst.“ Denn alles ist gut, wie es ist. Alles hat seinen Sinn, wie es ist.
„Wer weiß, wozu es gut ist.“

Nur unser EGO lehnt sich dagegen auf, weil es letztlich nicht sterben will. Sich in Harmonie zu begeben, bedeutet, alle Grenzen aufzuheben und Einszuwerden mit allem. Das EGO als
Abgrenzung (das bin ich und das bin nicht ich) muss dann sterben, weil das Außen und das Innen wieder zusammenfallen.

Die bedingungslose Liebe, die meist mit Gott gleich gesetzt wird, weil er alles umfasst, weil er nichts ausgrenzt, ist somit der Weg aus dem Leid ins ewig dauernde Glück.

Gott zum Gruße

Br. Günter Bok
Der Templer-Orden

„Leidvermeiderei, wie und wo sie sich auch immer offenbare, zeigt stets an, dass der, der sie betreibt, ein grundsätzlich Uneingeweihter ist.“
Herbert Fritsche

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